Geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Kall

Das Gebiet der Gemeinde Kall war bereits in vorgeschichtlicher Zeit menschlicher Lebens- und Siedlungsraum. Im 3. Jahrhundert v.Chr. gruben die Kelten hier schon nach Bleierzen, Keltische Lanzenspitzen, Werkzeuge und Münzen wurden in der Umgebung, insbesondere bei Keldenich, gefunden. 

 

Um 50 v.Chr. nahmen für fast 5 Jahrhunderte die Römer das Gebiet ein. Die berühmte römische Wasserleitung führte direkt durch das Gemeindegebiet und ist heute noch an verschiedenen Stellen sichtbar. Sie führte von Nettersheim nach Köln und war mit 95,4 Kilometer einfacher Trassenlänge eine der längsten Fernwasserleitungen im Imperium Romanum.
Im Jahre 1988 wurde entlang der römischen Wasserleitung der "Römer-Kanal-Wanderweg" angelegt.

 

Welchen Einfluß die Herrschaft der Römer auf die Entwicklung des damaligen Dorfes Call genommen hat und wie sich das Leben in unserem Gebiet in den späteren Jahrhunderten gestaltet hat, ist geschichtlich nicht festgehalten worden. Man kann wohl annehmen, dass die Einwohner sich von Ackerbau, Viehzucht und Waldwirtschaft ernährt haben. Sehr wahrscheinlich ist aber auch die Blei- und später auch die Eisenerzgewinnung stets betrieben worden. 

 

Im Staatsarchiv Düsseldorf befinden sich Akten des "Berggerichts Call" vom Jahre 1698 über Streitigkeiten zwischen den Grafen von Blankenheim und Jülich wegen des Bergwerkes in Call. 

 

Urkundlich wird Kall erstmalig 1238 erwähnt. Dieser Urkunde ist zu entnehmen, dass die St.- Nikolaus-Kapelle in Kall damals die Filiale der Andreaspfarre der Abtei Steinfeld war. 1988 wurde daher in gebührender Form die "750-Jahr-Feier" durchgeführt. 

 

Bis 1929 war die amtliche Schreibweise des Gemeindenamens "Call", was auf keltischen Ursprung hindeutet. Politisch war Kall in früheren Zeiten in 2 Grafschaften geteilt, und zwar die spanische und die jülische. Das Gebiet links der Urft gehörte zur Grafschaft Schleiden-Manderscheid, die dem Herzogtum Luxemburg angehörte. Um 1550 kam Luxemburg mit Burgund und den Niederlanden unter spanische Oberhoheit. Im Gebiet rechts der Urft regierte dagegen der Herzog von Jülich. 

 

Die Eisen- und Bleihütten gaben damals Kall und dem Urfttal eine besondere Bedeutung. Durch diese hat die Gemeinde seit dem 16. Jahrhundert einen gleichmäßigen Aufschwung genommen. Ausschlaggebend waren u.a. ein großes Bleibergwerk im Bereich des heutigen Industriegebietes sowie 2 Eisenbergwerke in Kall und ein 3. zwischen Sötenich und Kall. In einem dieser Werke, dem sogenannten Hammerwerk, das u.a. große Schiffsschrauben herstellte, wurde der Klöppel der berühmten früheren Kaiserglocke im Dom zu Köln gefertigt. 

 

Der wechselnde Lauf der Geschichte von der 1. urkundlichen Erwähnung bis heute hat in Kall viele Spuren hinterlassen und das Bild der Menschen geprägt. Gute und schlechte Zeiten, Wachstum und Stillstand, Friedensjahre und zahl reiche Kriege wechselten sich in den vergangenen Jahrhunderten ab und das große Weltgeschehen spiegelte sich auch im Schicksal der Gemeinde wider. Zu den schlimmsten Ereignissen der vergangenen Jahrhunderte zählt neben dem 2. Weltkrieg der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 mit seinen Verwüstungen und Zerstörungen. Die französischen Revolutionswirren und die napoleonischen Kriege gingen ebenfalls nicht spurlos an der Gemeinde vorbei. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Köln-Trier (1860- 1870) und Kall-Hellenthal (1885) wurde das Wirtschaftsgebiet von Kall, wie auch der ganze frühere Kreis Schleiden, verkehrsmäßig aufgeschlossen. Damit begann für die Gemeinde Kall eine neue Entwicklungsphase, insbesondere aber für den Ort Kall, die das bis dahin rein ländliche Dorf mehr und mehr zu einem ansehnlichen und für die Eifel nicht unbedeutenden Industrieort werden ließ. Diese Entwicklung wurde durch den 2. Weltkrieg jäh unterbrochen. Der durchschnittliche Zerstörungsgrad an Gebäulichkeiten betrug in der Gemeinde 50-70%. Im Ort Kall, Knotenpunkt zweier Eisenbahnlinien und mehrerer Verkehrsstraßen und daher strategisch von großer Bedeutung, wurden sogar 85 % aller Gebäude zerstört. 

 

Nach dem Krieg setzte der Wiederaufbau mit einem Aufschwung ein, der in der bisherigen Geschichte der Gemeinde Kall ohne Beispiel war.